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Beten für Geflüchtete

Viele Christen in Deutschland, ca. 50 Millionen Menschen, gehören der evangelischen-, katholischen- oder einer Frei-Kirche an. Nicht wenige scheinen das biblische Gebot, Flüchtlinge zu lieben und ihnen zu helfen, vergessen zu haben. Geflüchteten werden an Stelle von Mitgefühl Vorurteile entgegengebracht: Sie nehmen Arbeitsplätze weg, sind kriminell oder eine Last für die Gesellschaft. Doch Geflüchtete erfahren in der Bibel besonderen Schutz: Sie dürfen nicht vernachlässigt werden, sondern vielmehr gilt es für ihre Grundbedürfnisse zu sorgen.

Das Volk Israel, das Beispielvolk für alle anderen Nationen, hatte von Gott in den Büchern Mose mehrfach den Auftrag bekommen: Unterdrückt nicht die Fremden, die bei euch im Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll seinen fremden Mitbürger lieben wie sich selbst. Denkt daran, dass auch ihr in Ägypten Fremde gewesen seid. Ich bin der Herr, euer Gott (GNB – 3.Mose 19,34)! Gottes Sorge um die Fremden und Vertriebenen oder Flüchtlinge liegt darin begründet, dass er der liebevolle Vater aller Menschen und Völker ist: Denn der Herr, euer Gott, ist Herr über alle Götter und Gewalten, er ist groß und mächtig und verbreitet Furcht und Schrecken um sich. Er ist nicht parteiisch und lässt sich nicht bestechen. Er verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht; er liebt auch die Fremden, die bei euch leben, und versorgt sie mit Nahrung und Kleidung (5. Mose 10,17+18).

Viele scheinen auch vergessen zu haben, dass es in der Bibel zahllose prominente Beispiele für Flüchtlinge gibt. Abraham, wohl einer der bekanntesten Migranten der Bibel, verlässt aufgrund einer göttlichen Weisung seine Heimat und zieht in ein fremdes Land. Von dort muss er wegen einer Hungernot zeitweise nach Ägypten fliehen. Abraham der erste Wirtschaftsflüchtling? Das Volk Israel wird unter der Führung von Moses vor der unmenschlichen und zerstörerischen Knechtschaft des Pharao aus Ägypten fliehen. David, der spätere König Israels, muss vor König Saul nach Gat fliehen.

Der berühmteste Flüchtling ist wohl Jesus selbst. Gott ist Flüchtling geworden. Als Jesus noch ein Kleinkind war, flohen seine Eltern nach Ägypten, um Schutz und Zuflucht zu finden.

In den berühmten „Werken der Barmherzigkeit“ (Matthäus 25,31ff.) gilt der klare Auftrag Fremde aufzunehmen. Wer dies tut, der nimmt Jesus selber bei sich auf: „(…) ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen (Matthäus 25,35).“ Der Handlungsauftrag an alle, die sich dem christlichen Glauben verbunden fühlen, scheint klar.

Doch wie erfahren Flüchtlinge in Deutschland konkrete Aufnahme?

„Gebet bewegt die Hand, die die Welt bewegt“, so sagt der Theologe Adolf von Harnack. Ein erster zaghafter Schritt, noch deutlich im Komfortbereich, wäre ein tägliches Gebet für Flüchtlinge:

Gott des Lebens,

Millionen Menschen (Anm. d. Verf.: 70 Millionen lt. UNHR – davon knapp die Hälfte Kinder) sind weltweit auf der Flucht, wurden vertrieben oder haben aus Angst oder vor Hunger oder aus Mangel an Lebensperspektiven ihr Land verlassen, ihre Heimat. Wir denken voll Mitleid an diese Menschen. Und wir legen sie dir ans Herz, Gott. Sei ihnen nahe mit deinem Schutz, mit deiner Kraft und deiner bergenden Liebe – und gib den

Flüchtlingen Menschen an die Seite, die ihnen gut sind. Lass uns selber zu Werkzeugen deines Friedens werden. Darum bitten wir dich, Gott, der in der Einheit mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebt und Leben möglich macht – heute und alle Tage unseres Lebens.

Amen.

(Gebet von: Irmentraud Kobusch, MarieLuise Langwald und Barbara Pott kfd – Diözesanverband Essen)

Alle die sich darüber hinaus engagieren wollen, sollten Organisationen wie die Aktion-Deutschland-Hilf oder die UNO-Flüchtlingshilfe finanziell unterstützen und sich über Schicksale und Hintergründe von Flüchtlingen informieren, um Vorurteile abzubauen. Wer aus seiner Komfortzone heraustreten möchte, sollte sich beim Magistrat oder Sozialdezernenten seines Ortes erkundigen, wie er Flüchtlingen vor Ort helfen kann.

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