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Entwicklung und Mission – geht das zusammen?

Je nach theologischer Prägung wurden von den unterschiedlichen Missionsgesellschaften und Christen auf das Verhältnis von Mission und Entwicklungszusammenarbeit sehr verschiedene Antworten gegeben. Manche stellten ganz klar die Botschaft in den Vordergrund und stellten Thesen auf wie: „Mission ist die beste Entwicklungszusammenarbeit“.  Damit wird dem Glauben weckenden Anliegen ein klarer Vorrang vor christlicher Sozialarbeit gegeben: Mission ist wichtiger als Entwicklung. Andere betonten stärker Gottes grenzenlose Liebe zur Befreiung der Welt vom Negativen und ihnen ist darum das soziale Engagement und der Einsatz für Gerechtigkeit wichtiger.

Wie auch immer: diakonische Arbeit und christliches Engagement im weiten Feld der Entwicklungszusammenarbeit muss sich immer wieder mit dem Vorwurf auseinander setzen, das diese Hilfe nur Mittel sei, um (meist junge) Menschen zum Christlichen Glauben zu führen. Das Schlagwort „Reischristen“ macht deutlich, dass Menschen nur um materieller Vorteile willen Christen geworden seien. Mission hat bei manchen den negativen Beigeschmack eines religiösen „Hausfriedensbruchs“, der Menschen eines anderen Kulturkreises unsere Religion aufdrängt.

Ein Hauptgrund liegt vielleicht in der „Tabuisierung von Glaube und Spiritualität“ der Menschen in Deutschland: Glaube ist Privatsache. Hier wird ein Merkmal unserer Kultur, der starken Trennung von Kirche und Staat, auf diese Länder übertragen. Doch in den meisten Ländern des Globalen Südens ist die Religion ganz natürlicher Teil des öffentlichen Lebens. Wilhelm Richebächer schreibt im Jahrbuch Mission von 2011: „Afrikaner und Asiaten empfehlen uns: ‚Verschweigt die Motive nicht, die hinter eurer Hilfe als Christen liegt. Die Menschen, denen ihr helft, haben ein Recht darauf zu erfahren, was Christen und Christinnen befähigt, Gutes zu tun.‘“  Diakonische Hilfe – vor Ort sowie mit weltweitem Horizont – muss zwar völlig bedingungslos geschehen. Trotzdem darf die religiöse Motivation und die empfangene Liebe und Gnade Gottes kommuniziert werden.

Richtungsgebend für jede Form der Entwicklungszusammenarbeit und für alles missionarische Engagement ist die Missio Dei: die Bewegung Gottes zur Welt hin, an der die christliche Gemeinde in der ganzen Breite ihres Auftrags in Gestalt von helfendem Handeln (Diakonia), Gemeinschaft (Koinonia) und Zeugnis (Martyria) teilnimmt. Dabei handelt Gott nicht nur durch die Gemeinde,

sondern der Raum seines Handelns ist die ganze Welt. Die christliche Gemeinde muss schauen, wo Gott handelt und seinen Schalom verwirklicht – und sich dort ebenfalls engagieren.

In der Lausanner Verpflichtung heißt es:  „Der Kontext aller unserer Mission ist die Welt, in der wir leben, die Welt, die geprägt ist von Sünde, Leiden, Ungerechtigkeit und Missbrauch der Schöpfung. In diese Welt sendet uns Gott, damit wir für die Sache Christi lieben und dienen.“ Der Evangelist Matthäus fasst das Wirken Jesu in einem Satz zusammen: „Jesus ging umher … und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheit und alle Gebrechen im Volk“ (Mt 4,23). Die Weiterführung der Missio Dei in Wort und Tat, mit einer Entwicklung zu einer besseren Welt, gehört zum christlichen Handeln im Sinne eines ganzheitlichen Missionsverständnisses.  Das Handeln der Christen muss daher Mission und Entwicklung in der Welt zusammen denken. Beides gehört untrennbar zusammen. Obwohl beide Begriffe einen anderen Schwerpunkt haben. Ein wichtiger Aspekt der Mission ist und bleibt die Einladung zum Glauben. Entwicklungszusammenarbeit soll insbesondere notleidenden Menschen zugutekommen und sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Beides zusammen ist ein starkes christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt.

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