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Fair-Trade = Armutsbekämpfung?

Heute lag in unserem Briefkasten ein Prospekt von C&A mit dem Titel „Nachhaltigkeit“. Da habe ich mir verwundert die Augen gerieben und gedacht: C&A und Nachhaltig – geht das zusammen? Neugierig habe ich den Prospekt durchgeblättert. Herausgefunden habe ich: Die „Best Baby“ Kollektion ist nach den Global Organic Textile Standards (GOTS) zertifiziert worden. GOTS? Was ist das nun wieder für ein Siegel? Laut Prospekt folgt jeder Produktionsschritt ökologisch- und sozialverträglichen Kriterien. Wenn das tatsächlich so ist, dachte ich mir, dann wäre das doch ein erster Schritt dieses Bekleidungskonzerns in die richtige Richtung. Doch dient dieses Siegel, wie die vielen anderen, der Armutsbekämpfung? Oder dient es eher dem Marketing und dem Image des Unternehmens?

In den Debatten darüber, wie die weltweite Armut sich am besten bekämpfen lässt, wird neben verschiedenen Formen der Entwicklungszusammenarbeit auch immer wieder die Rolle von Unternehmen genannt. Dabei geht es nicht nur darum Handelsschranken abzubauen, sondern auch den Arbeitern in den Ländern des globalen Südens faire Löhne, Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen zu gewährleisten.

US-amerikanische Kirchengemeinden begannen in den 1940er Jahren handwerkliche, von europäischen Flüchtlingen hergestellte, Produkte zu verkaufen. In 1946 beginnt in den USA die heutige Initiative „Ten Thousand Villages“ (ehemals Mennonite Central Commitee Self Help Crafts) Handel mit armen Gemeinden im Süden zu betreiben. Mehr dazu unter: http://www.tenthousandvillages.com/. 1969 eröffnet in den Niederlanden der erste Weltladen. Über eine halbe Millionen kleine Erzeuger und mehr als 3000 Basisorganisationen in 50 Ländern des globalen Südens gehören heute zur Bewegung des fairen Handels. Um möglichst vielen Herstellern und Menschen zu helfen, musste man die Umsätze deutlich erhöhen. Die Stückzahlen über den Verkauf in Eine-Welt-Läden waren zu gering. Der faire Handel musste in die Supermärkte, wo die meisten Menschen einkaufen. Dies wurde durch Siegel für fairen Handel erreicht. Faire Produkte sind ein wichtiger Schritt, um den Verbrauchern in den Industrieländern deutlich zu machen, dass die Würde des Menschen, der Gesundheitsschutz und faire Löhne nicht nur für Arbeitnehmer des globalen Nordens gelten sollten.

Mittlerweile gibt es eine große Zahl an „fairen Siegeln“. Das bekannteste ist bestimmt das Fairtrade-Siegel, das von TransFair e.V. vergeben und von jedem Unternehmen unter bestimmten Kriterien käuflich erworben werden kann.

Um das von C&A verwendete GOTS-Siegel tragen zu können, muss das Produkt aus mindestens 90% Naturfasern bestehen. Ebenso sind soziale Mindeststandards Teil des GOTS-Standards und werden überprüft. Die Unternehmen sind dazu verpflichtet, festgelegte Sozialstandards einzuhalten. Zwangs- oder Kinderarbeit ist ausgeschlossen und gesetzliche Mindestlöhne der jeweiligen Produktionsländer – wie niedrig die auch immer sein mögen – müssen gezahlt werden. Die GOTS-Kriterien beziehen sich auf sämtliche Schritte im Produktionsprozess. Die Einhaltung der Kriterien wird durch unabhängige Stellen regelmäßig kontrolliert (mehr unter: http://www.global-standard.org/de/the-standard/general-description.html).

Ganz ähnliche Kriterien findet man bei Siegeln oder fairen Unternehmen, wie: Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), GoodWeave, Fair Wear Foundation, Rapunzel, CCC, Gepa u.v.a.m. Einige große Discounter haben eigene Fairtrade Siegel. Lidl hat das Siegel „Fairglobe“, Aldi-Süd „One-World“ und Netto „fair gehandelt“. Das sind Siegel die jedoch insbesondere bei Lebensmitteln verwendet werden. „Jedes einzelne Fairtrade gesiegelte Produkt erfüllt unabhängig davon, wo es verkauft wird, die international festgelegten Standards von Fairtrade International“, so schreibt Fairtade Deutschland.

Zurück zu C&A. Als Reaktion auf die Berichte über die schlimmen Arbeitsbedingungen in den Betrieben, die für C&A Kleidung herstellen, wurde 1989 in den Niederlanden die Schone Kleren Kampagne (dt.:Kampagne für Saubere Kleidung) gegründet. Die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC)  setzt sich für die Rechte der Arbeiter und für eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungsindustrie ein. Die CCC wird von vielen NGOs und Arbeiterbewegungen unterstützt.

Die Ziele und Argumente der einzelnen Initiativen klingen gut. Langfristige Verträge, soziale Gerechtigkeit, Mindestlohn etc. Doch geht es dabei tatsächlich um die Bekämpfung der weltweiten Armut? Seht selbst: https://www.youtube.com/watch?v=-514XPSLz58 und http://www.ardmediathek.de/tv/mex/Wie-fair-ist-Fair-Trade/hr-fernsehen/Video?documentId=21567762&bcastId=3475172

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