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Grandiose Gleichnisse Teil 1

Das Reich Gottes war das große Thema von Jesus. Auf ganz unterschiedliche Art und Weise hat er versucht ihnen das „Himmelreich“ zu erklären. Häufig benutze er gleichnishafte Erzählungen. Jesu Gleichnisse sprachen direkt in die Wirklichkeit des damaligen Lebens der Menschen hinein. Viele Gleichnisse drehen sich darum um Ackerbau, Viehhaltung, Weinlese, Lohnzahlung und Ernte. Jesus sprach damit seine Hörer in der Welt ihrer täglichen Erfahrungen an und die Menschen verstanden Jesus – zumindest die meisten. Wir müssen uns erst in diese, für uns zum großen Teil fremde, Lebenswelt hineindenken. Doch dieser Umdenkprozess lohnt sich, denn die grandiosen Gleichnisse Jesu beschreiben die Visionen einer besseren Welt: dem Reich Gottes. Eine der bekanntesten Gleichnisse ist bestimmt Jesu Rede vom Endgericht in Matthäus 25,31-46. Mit dem eschatologischen „Paukenschlag“ vom Weltgericht möchte ich meine kleine Blog-Themenreihe zu den Gleichnissen Jesu starten.

Jesus erzählt wie die Menschheit, am Tag des Herrn (am Tag des Gerichts), in Schafe und Böcke aufgeteilt wird. Die Schafe stehen rechts und die Ziegen (in manchen Übersetzungen „Böcke“) links. Im Nahe Osten ist es üblich Schafe und Böcke gemeinsam zu weiden und abends zu trennen, da die Ziegen nicht so gut gegen Kälte geschützt sind –also einen Stall benötigen- wie die Schafe. Die Schafe werden durch ihr barmherziges und helfendes Handeln belohnt, während die Ziegen wegen ihres tatenlosen Handels bestraft werden. „Was ihr (bzw. nicht) getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir (bzw. auch nicht) getan.“ Das Kriterium anhand das Gericht durchgeführt ist das Verhalten „zu den Geringsten meiner Brüder und Schwestern“.

Meiner Ansicht nach geht es im Kern dieses Gleichnisses darum, sich der Erniedrigten und Elenden anzunehmen. Dabei sind alle Menschen aufgefordert – Gläubige oder Nichtgläubige – sich den Armen helfend zuzuwenden. „Alle Völker“ die hier gerichtet werden sollen sind eigentlich eine klassisch biblische Redewendung für alle Nichtisraeliten bzw. Nichtchristen. Die Verwendung des Wortes „Brüder“ lässt wiederum den Schluss zu, dass er insbesondere Gläubigen (Menschen, die den Willen des Vater im Himmel tun) deutlich machen wollte: wendet euch aktiv den Notleidenden zu. Der anglikanische Theologe N.T. Wright meint, dass es in diesem Gleichnis darum geht, wie Menschen, die Jesus nicht gefolgt sind, danach beurteilt werden, wie sie diejenigen behandelt haben, die Jesus als seine Familie betrachtet – diejenigen, die den Willen Gottes tun. Damit würde humanitäres Verhalten eine gesteigerte Rolle bekommen – insbesondere für Menschen die Jesus nicht als den Christus erkennen konnten.

Wie auch immer – Jesus identifiziert sich mit denen Armen, diejenigen, die unten sind und einen Menschen brauchen, der ihnen hilft. In diesen Elenden bekommen wir es mit Jesus zu tun. Werner Krusche schreibt: „Wie wir uns zu ihnen verhalten, ist für Jesus der Maßstab, an dem er unser Leben misst, weil dabei herauskommt, wie wir zu ihm stehen. Es gibt ihn nicht mehr ohne sie und sie nicht mehr ohne ihn.“ Damals ging es um Hungrige, Durstige, Nackte, Fremde, Kranke und Gefangene. Heute ist da an hungernde Kinder, syrische oder afrikanische Flüchtlinge, unversorgte Aidskranke, Obdachlose oder politische und religiöse Gefangene zu denken.

In diesem Gleichnis reicht ein Bedauern, Mitleid empfinden oder barmherziges Gebet nicht, wenn noch mehr möglich gewesen wäre. Und mal ehrlich: Meist ist doch noch mehr möglich. Aber es geht nicht darum, dass all das, was wir für die Armen tun, dazu beiträgt uns unserer Erlösung zu verdienen. Barmherzige Taten sind vielmehr ein Zeichen eines echten Glaubens.

Timothy Keller bringt es auf den Punkt: „Ob ich ein Herz für die Armen habe, zeigt, ob ich ein Herz für Christus habe. (…) Einem Herzen, das Christus liebt, können die Schutzlosen und Bedürftigen nicht egal sein. (…) Ein Mensch, der wirklich von der Gnade Gottes berührt worden ist, wird die Ärmel hochkrempeln und den Armen helfen.“

 

Verwendete Literatur:

Timothy Keller 2012. Warum Gerechtigkeit? Brunnen Verlag

Manfred Köhnlein 2009. Gleichnisse Jesu – Visionen einer besseren Welt. Kohlhammer Verlag

Werner Krusche 1998. Vom Weltgericht. In: Du bist eingeladen – Alle Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes. Kreuz Verlag

N.T. Wright 2013. Matthäus für heute. Brunnen Verlag

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