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Grandiose Gleichnisse Teil II: Der arme Reiche

Ein weiteres Gleichnis vom Reich Gottes. Jesus erzählte einmal seinen Zuhörern die aufrüttelnde Erzählung: Vom reichen Mann und armen Lazarus (Lukas 16,19 -31). In der Kirchengeschichte wurde aufgrund dieser beispielhaften Erzählung, die wohl bewusst wie ein Märchen beginnt, das „dreistöckige“ christliche Weltbild entwickelt. Keller: Vorhölle/Fegefeuer – Erdgeschoss: Gegenwart auf der Erde – Dachgeschoss: Vorhimmel /Paradies. Doch darum geht es in dieser Geschichte nicht. Es ist eine zutiefst sozialkritische Story. Es geht um einen wohlhabenden und bettelarmen Mann aus dem Volk Israel, dem besonderen Volk Gottes. Der Reiche war jemand, der das Leben in vollen Zügen genießen und mit jeder Faser spüren wollte. Er trug wertvolle  Kleidung, welche ungefähr den Wert eines Jahreslohnes eines Tagelöhners hatte. Er braucht sich keine Sorgen zu machen. Und er machte sich auch keine. Reichtum und ein sorgenfreies Leben galten damals als sichtbare Zeichen, dass Gott einen Menschen segnet. Der Reiche steht heute vielleicht für Menschen weltweit, die mehr als genug zum Leben haben – die reich beschenkt sind vom Schöpfer.

Der zweite Charakter dieses Gleichnisses Jesu ist ein Mann, der unter extremer Armut leiden muss. Er haust auf der Straße vor der Tür der Villa des Reichen. Er lebt von dem „was vom Tisch des Reichen fiel“.  Zurzeit Jesu gab es kein Besteck. Man aß mit den Fingern, die man sich in sehr wohlhabenden Häusern mit einem dünn gebackenen Brotfladenstück abwischte. Dieses wurde anschließend – zum Glück für den Armen – fortgeworfen. Denn von diesem Brot ernährte sich Lazarus.

Die Geschichte Jesu lebt vom krassen Kontrast. Der Reiche hatte Freunde mit denen er feierte. Der Arme hatte niemanden, außer die Gesellschaft von Straßenhunden. Der Arme scheint gelähmt zu sein, während der Reiche sich bester Gesundheit erfreut. Der Reiche ist namenlos. Der Arme dagegen heißt übersetzt „Gott hilft“ = Lazarus (hebr. Eliezer). Ein recht ironischer Name in Anbetracht seiner hoffnungslosen Situation. Denn wo greift da Gott helfend ein? Noch eine kleine Bemerkung am Rande: Lazarus ist der einzige, der jemals in den Gleichnissen Jesu einen Eigennamen erhält.

Der Reiche landet am Ende des Gleichnisses an einem Ort des Schreckens. Während Lazarus einfach die höchste Ehre zu Teil wird. Er darf direkt beim Stammvater des Volkes Israels, Abraham, sitzen und sich sogar bei ihm anlehnen (oder wie Luther übersetzt hat: „in seinem Schoß“ geborgen liegen). Es werden in der Geschichte keine Gründe genannt, warum der Arme auf diese Art belohnt wird. Er bekommt, einfach so, weil er arm ist, die Nähe Gottes zugesprochen.

Warum landet der Reiche an diesem gottesfernen und furchtbaren Ort? Welches Verhalten hat dazu geführt? Wie man dieser Story entnehmen kann geht der Reiche am Armen vorüber. Tag für Tag. Er nimmt einfach keine Notiz von dem Armen. Oder aber: ihm ist der menschenunwürdige Zustand des Armen egal. Er scheint sich nach und nach daran gewöhnt zu haben, dass es Menschen gibt, die leiden müssen. Wenn er sein Haus verlässt, steigt er einfach über ihn hinweg – wie heute der Obdachlose, die hungernden Schiffsbrüchigen Afrikas oder die Flüchtlinge aus Syrien, die erschöpft an den Stränden Südeuropas landen. Diese Gleichgültigkeit gegenüber der Not der Welt scheint der Grund für sein Zustand nach dem Tod zu sein.

Eine weitere Auswirkung dieser Geschichte in der Kirchengeschichte war die Lehre von einer „ausgleichenden Gerechtigkeit“: Wem es auf der Erde schlecht geht, wird im Himmel Gutes erfahren. Das Jenseits als Entschädigung für das Diesseits – eine Verströstung auf den „Himmel“. Warum sollte man also Armut bekämpfen, wo sie doch nur zeitlich begrenzt war und Jesus schon sagte „Arme wird es immer geben“?.

Ich glaube viel eher, dass es um zwei ganz andere Aspekte geht, die Jesus mit dieser Geschichte verdeutlichen wollte. Erstens: Gott hat ein Herz für die Armen und Benachteiligten. Darum dieser Ehrenplatz bei Gott: in Abrahams Schoß. Zweitens: Wer die Not und das Leid wahrnimmt, ohne Mitleid und Barmherzigkeit, sondern mit zunehmender Gleichgültigkeit, der handelt nicht im Sinne seines Schöpfers. Denn Gabe (Reichtum) ist immer auch Aufgabe (Teilen).  Persönlich muss ich zugeben, dass mir – als reicher Europäer – diese harte Schlussfolgerung Angst macht. Jesus spricht an einer anderen Bibelstelle, in Lukas 6,20, einen Segen über den Armen und einen Fluch über den Reichen aus: „Glücklich seid ihr Armen, denn euch gehört die neue Welt Gottes. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt hungern müsst, denn Gott wird euren Hunger stillen. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen! (…) Doch wehe euch, ihr Reichen! Ihr habt euer Glück schon auf Erden genossen.“

Egal wie hart und ermahnend wir diese Geschichte zu deuten haben, was wir festhalten können, ist: Jesus scheint kein Freund egoistischer und selbstverliebter Reicher zu sein. Dafür scheint er sich vehement auf die Seite der Armen zu stellen.

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