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Hungerstreik

„Mir knurrt der Magen – ich habe Hunger“ – dieser Satz heißt oft noch lange nicht, dass es sich um ein „echtes“ Hungergefühl handelt. „Ich habe Hunger“ heißt zwischen den Zeilen – in reichen Ländern – auch oft „Ich habe Langeweile“, „Ich bin unzufrieden“ oder „Ich benötige eine Aufheiterung.“ Viele Menschen weltweit haben jedoch ein „echtes“, existenzbedrohendes Hungergefühl. Alleine bei der Hungersnot in Äthiopien 1984/85 starben schätzungsweise eine halbe bis eine Million Menschen. Zwischen Herbst 2010 und Frühjahr 2012 sind in Somalia mehr als eine Viertelmillion Menschen verhungert. Zehn Prozent aller Kinder im Land kamen infolge von Unterernährung ums Leben.

Schon zu biblischen Zeiten wird von Hungersnöten berichtet: Zum Beispiel in Ägypten zur Zeit Abrahams oder später bei Joseph, in Israel zur Zeit des Propheten Elia oder die Hungernot im Buch Rut.  Die Ursachen damals wie heute sind facettenreich: Trockenperioden, Naturkatastrophen, Verwüstung, Verschlechterung der Nahrungsmittelbasis infolge starken Bevölkerungszuwachses, Krieg, Dürre, Auslaugung des Bodens, Flucht und Vertreibung.

Bilder von Hungerkatastrophen schockieren und bewegen Menschen. Bekannt wurden in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Bilder der so genannten Biafrakinder in den Sinn.[1] Dürre Kinder mit stark aufgeblähten Bäuchen.

Eine existenzbedrohende Unterernährung gibt es in Deutschland eigentlich nicht? Nur in seltenen Einzelfällen, wie die siebenjährige Jessica, die im Mai 2010 mitten in Deutschland verhungerte, stirbt bei uns ein Mensch infolge von Unterernährung – meist aufgrund sozialer Verwahrlosung.

Sechs Gruppen die anfällig sind für Ernährungs- und Nahrungsunsicherheit werden von der FAO (Food and Agriculture Organisation der Vereinten Nationen) unterschieden: Randgruppen in Vorstädten (Arbeitslose, Slumbewohner, Gelegenheitsarbeiter, Obdachlose, Waisen und Straßenkinder), Arme Haushalte in ungünstigen Lebenslagen (Alleinerziehende, Nomaden, Tagelöhner, Landlose Bauern), Migranten (Saisonarbeiter mit großen Familien, Zugelassene Frauen aufgrund von Migration), Abhängige Familienmitglieder in armen Haushalten (ältere Menschen, Kranke, Behinderte, Schwangere, Kinder unter 5 Jahren), soziale Risikogruppen (indigene Völker, ethnische Minderheiten, Analphabeten) und Konfliktopfer (Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsinvaliden, Kriegswitwen und –waisen).

In den armen Ländern unserer Welt ernähren sich viele Menschen hauptsächlich von Reis, Mais, Hirse oder einem anderen Nahrungsmittel. Dadurch wird zwar der Mindestkalorienbedarf von etwa 1.800 Kilokalorien (FAO) am Tag (laut WHO  etwa 2.100 Kilokalorien) gedeckt, doch aufgrund der einseitigen Ernährung kommt es langfristig zu gesundheitlichen Schäden. Laut WHO sind ein Drittel der Weltbevölkerung durch Vitamin- und Mineralstoffmangel körperlich und geistig in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Die Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann sagte in einem Interview im Tagesspiegel (15.12.2012): „ Es werden heute ausreichend Lebensmittel in der Welt produziert, um mehr als sieben Milliarden  Menschen zu ernähren (…) Es wird zwar immer soziale Aufgaben geben, aber der Hunger muss in 50 Jahren besiegt sein.“  Hunger muss nicht sein.

Doch es gibt viel noch viel „Brot“ zu (ver-)teilen, wie die folgenden Zahlen verdeutlichen:

Quellen:

Weingärtner / Trentmann 2011. Handbuch Welternährung. Frankfurt a.M.: Campus Verlag

Welthungerhilfe 2013. HUNGER − AUSMASS, VERBREITUNG, URSACHEN. Online im Internet: http://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/user_upload/Themen/Hunger/Factsheet_Hunger_Welthungerhilfe_Stand_April_2013.pdf

http://www.tagesspiegel.de/politik/hunger-muss-in-50-jahren-besiegt-sein/7524824.html

[1] Die Republik Biafra war ein Staat, der 1967 bis zur gewaltsamen Wiedereingliederung in Nigeria im Jahr 1970 für kurze Zeit eigenständig war. Als Symbol für Unterernährung infolge der damals verhängten Hungerblockade prägte das Bild des Biafrakindes die 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

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