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Imago Dei als Verantwortung

Wer ist der Mensch? Diese Frage wird in verschiedenen Wissenschaften aufgegriffen. Sie fragt nach dem Wesenskern des Menschen. In 1. Mose 1,28 und 2,7 steht, dass der Mensch „imago dei“ – Ebenbild Gottes ist. Wir Menschen haben aufgrund unserer Gottesebenbildlichkeit und der Wertschätzung Gottes gegenüber uns Menschen (Psalm 8,6) eine herausragende Stellung innerhalb der Schöpfung.

Nach Kant haben wir Menschen ein Bewusstsein für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir können unser Handeln für eine bessere Zukunft einsetzen und Gott hat uns Menschen die Erde anvertraut, damit wir sie gestalten und schützen (1. Mose 2,15). Wenn über 3,7 Milliarden Menschen in Armut leben müssen, dann stellt das die Gestaltungsfähigkeit der Menschen jedoch ernsthaft in Frage.

„Gott hat das Wohlsein des Menschen im Sinn“, so schreibt es der Theologe Hans Küng. Dieses Wohlsein für alle Menschen zeigt sich im Willen Gottes für sein Volk im Alten Testament. Gott will nicht, dass irgendjemand in Armut leben muss (5. Mose 15,4). Er hat für das Volk Israel, als Beispielvolk für alle anderen Völker und Nationen, Gesetze und Systeme zum Wohl der Armen im Lande eingesetzt (z.B. Jubeljahr, Schuldenerlass). Immer wieder ermahnt Gott das Volk durch die Propheten (Amos, Jeremia, Jesaja oder Micha), sich um die Armen zu kümmern und die Unterdrückten und diejenigen ohne Stimme zu ihrem Recht zu verhelfen. „Wer den Armen unterdrückt, verhöhnt dessen Schöpfer. Wer dem Hilflosen beisteht, der ehrt Gott (Spr. 14,31).Im Alten Testament war es besonders das Volk Israel, das den Willen Gottes in ihrer Lebenskultur und ihrem Staatswesen umsetzen sollte. Damit sollten sie als Beispiel für andere Völker dienen. An ihnen sollten andere erkennen, wie gut es dem Menschen tut, sich am Willen Gottes zu orientieren.

Dieser Auftrag wurde seit Jesus Christus auf Christinnen und Christen aus allen Völkern ausgedehnt. Und so ruft Jesus in der Bergpredigt seine Nachfolger aus „Salz der Erde und Licht der Welt zu sein (Mt. 5,13ff.). Der Geist Gottes will uns dazu begeistern, uns selbst und die uns anvertraute Welt zu verwandeln. Es geht darum, Jesus ähnlich zu werden (Röm. 8,29) und nach seinem Vorbild den Willen Gottes umzusetzen („Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“) und so die Ausbreitung des Reiches Gottes aktiv zu unterstützen. Als Ebenbilder Gottes und Nachahmer Jesu („Imitatio Christi“) sind insbesondere Christen Teil dessen, die welterfüllende Hoffnung des Reiches Gottes sichtbar zu machen. Denn überall dort, wo etwas im Sinne Gottes geschieht, da breitet sich Hoffnung und da breitet sich sein Reich aus. Das angebrochene Reich Gottes und sein Kommen in Christus ruft zur Passion und Aktion: Christus soll nachgeahmt, Gerechtigkeit geschaffen (Lk 4,18ff.; Mt. 25,31ff.) und das Gute zum Durchbruch kommen (Eph. 2,10; Hebr. 13,16). Christen haben eine biblisch-theologische Verantwortung, den Armen dieser Welt zu helfen und die Ressourcen der Schöpfung Gottes gerecht zu verteilen. Dietrich Bonhoeffer drückt es so aus: „An das Reich Gottes kann darum nur der glauben, wer so wandert: wer die Erde und Gott in einem liebt.“

 

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