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Mitgefühl leben – Charter for Compassion

Mitgefühl leben.

Mitgefühl zu leben, beinhaltet den Grundsatz: „Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst“. Dieser Grundsatz findet sich in verschiedenen Variationen in den unterschiedlichsten Religionen. In der Bibel (Mt. 7.12) lesen wir, eingebettet in die berühmte Bergpredigt, folgende Variante: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten (EU).“  Doch nicht Jesus, sondern der chinesische Weisheitslehrer Konfuzius hat im 5. Jahrhundert v. Chr. eine erste Variante der Goldenen Regel gelehrt (Armstrong 2012, S.15). Karen Armstrong sagt, dass alle Religionen das in dieser Regel geäußerte Wohlwollen nicht auf die eigene Gruppe beschränken darf, sondern Mitgefühl mit allen Menschen haben sollte, sogar mit seinen Feinden. „Leider“, so stellt sie nüchtern fest, „ist heute kaum von einem solchen Mitgefühl die Rede“. Doch Leiden und Mangel sind nicht mehr nur etwas, das in fernen, benachteiligten Winkeln der Erde herrscht. Was heute in Gaza, Syrien, Jemen oder Afghanistan geschieht, hat Auswirkungen in London, New York oder Berlin. In einer Welt, in der kleine radikale Gruppierungen die Welt in Atem halten, „können wir nicht länger darauf verzichten, die Goldene Regel weltweit anzuwenden, um dafür zu sorgen, dass alle Völker behandelt werden, wie wir selbst behandelt werden möchten (Armstrong 2012, S.11)“.

Tausende Menschen aus aller Welt haben auf einer vielseitigen Website ihre Ansichten auf Hebräisch, Arabisch, Udu, Spanisch, Englisch und Deutsch hinterlassen, um eine Charter for Compassion zu entwerfen. Eine Gruppe von Vertretern der sechs großen religiösen Gemeinschaften (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Konfizianismus) haben im Jahr 2009 folgende herausfordernde Endversion der Charta erstellt:

Charta der Anteilnahme

Im Kern aller religiösen, ethischen und spirituellen Traditionen befindet sich das Prinzip der Anteilnahme aus Nächstenliebe. Es fordert uns auf, andere so zu behandeln wie wir uns das für uns selbst wünschen. Es ist die Barmherzigkeit, die uns unermüdlich dazu auffordert, das Leiden unserer Mitmenschen zu erleichtern, und statt uns selbst, unsere Mitmenschen zum Mittelpunkt unserer Welt zu machen. Sie fordert uns dazu auf, die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen zu ehren und, ohne Ausnahme, jeden mit absoluter Gerechtigkeit, Gleichheit und Respekt zu behandeln.

Zudem ist es zu unterlassen, anderen im öffentlichen wie im privaten Leben Leid zuzufügen. Es verleugnet unsere gemeinsame Menschlichkeit, aus Bosheit, Chauvinismus oder  Selbstinteresse gewalttätig zu handeln oder zu sprechen; andere auszunutzen oder deren Grundrechte zu verweigern, und Hass durch Erniedrigung anderer hervorzurufen.

Wir erkennen an, dass wir nicht in der Lage waren, barmherzig zu leben und dass manche unter uns im Namen von Religion die Summe des menschlichen Elends vergrößert haben.

Wir rufen daher alle Männer und Frauen auf

~ Die Anteilnahme wieder in den Mittelpunkt von Moral und Religion zu stellen.

~ Zum alten Prinzip zurückzukehren, dass jede Auslegung der Schriften, die Gewalt, Hass und

Missachtung lehrt nichtig ist.

~ Dafür zu sorgen, dass unsere Jugend sorgfältig und respektvoll über andere Traditionen,

Religionen und Kulturen informiert wird.

~ Eine positive Einstellung zu kulturellen und religiosen Unterschieden zu fördern.

~ Ein informiertes Mitgefühl mit dem Leiden aller Menschen zu pflegen, auch mit denen, die als Feinde gelten.

Wir müssen die barmherzige Nächstenliebe dringend zur klaren, leuchtenden und dynamischen Kraft in unserer polarisierten Welt machen. Verwurzelt in dem festen Willen, Selbstsucht zu überwinden, kann die Barmherzigkeit politische, dogmatische, ideologische und religiöse Mauern einreissen. Geboren aus unserer gegenseitigen Abhängigkeit voneinander ist die Barmherzigkeit wichtig für alle menschlichen Beziehungen und eine erfüllte Menschheit. Sie ist der Pfad der Erleuchtung und unverzichtbar für eine gerechte Wirtschaft und friedvolle Weltgemeinschaft.

Mehr dazu unter: http://www.charterforcompassion.org/index.php/german

Diese Worte sind im Anbetracht weltweiter Armut und der aktuellen Flüchtlingssituation in Europa absolut notwendig. Ich habe den Verdacht, der „Gründer“ meiner Religion, Jesus Christus, würde diese Charta unterstützen. So, wie ich bisher den Kern des Reiches Gottes verstanden habe, geht es ebenfalls um solche Themen wie: Nächstenliebe, Mitgefühl, weniger Egoismus und mehr Barmherzigkeit. So verwundert es nicht, dass mich diese Charta fast genauso herausfordert wie Jesu Botschaft vom Reich Gottes.

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