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Nach mir die Sintflut

Stell dir vor, du planst in wenigen Monaten in ein neues Haus zu ziehen. Der elektrische Rolladenmotor in deinem Wohnzimmer geht kaputt. Da du ja in ein paar Wochen in ein nagelneues Haus umziehen wirst, entschließt du dich, kein weiteres Geld in deine „alte“ Wohnung zu investieren, da du sie ja verkaufen wirst. Du lässt also den elektrischen Gurtwickler nicht reparieren. Eine sinnvolle Entscheidung, mag man angesichts der neuen Immobilie denken. Wäre der Nachmieter der alten Wohnung jedoch ein befreundetes Ehepaar oder ein Arbeitskollege, dann würde man wahrscheinlich darüber nachdenken den Motor reparieren lassen. Aus Respekt oder Freundschaft gegenüber den Nachmietern.

Unsere Hoffnung oder Vorstellung von der Zukunft prägt unser Handeln in der Gegenwart. Was Menschen über ihre persönliche Zukunft oder die der Welt denken, wird von verschiedenen kulturellen oder familiären Einflüssen und unterschiedlichsten Lebenserfahrungen geprägt. Unser Menschen- und Weltbild beeinflusst unser Denken und Tun. Es beeinflusst, wie viel Hoffnung wir in die Zukunft setzen (Schwarz 2002:5).

Am 07.09.2009 berichtete die Tageszeitung die Welt über die erste Sommerakademie der „Visionauten“ in Deutschland.[1]  Ihr Plan: Die Welt verbessern. Dieses herausfordernde Ziel soll durch „Projekte in Bildung, Jugendarbeit, Umweltschutz, Armutsbekämpfung oder Menschenrechte“ erreicht werden. „Social Entrepreneurship. Nachhaltiges, soziales, wirtschaftliches Arbeiten. Zum Wohl der Menschheit und der Natur, das ist die Vision.“ Auch diese Menschen träumen von einer besseren Zukunft. Sie sind so sehr davon überzeugt, die Zukunft positiv mitgestalten zu können, dass sie dieser mit ihren Hoffnungen, Träumen und ihrem Engagement im hier und jetzt eine Gestalt geben wollen.

Einige Jahrhunderte vor den Visionauten veröffentlichte Philipp Jakob Spener 1975 sein Reformprogramm „Pia Desideria“. Spener gilt als „Vater des Pietismus“, der religiösen Erneuerungsbewegung in der lutherischen Kirche (Wallmann 2005:67-68). Im mittleren Teil der Pia Desideria hat Spener seine Darlegung einer Hoffnung auf bessere Zeiten für die Kirche beschrieben (Wallmann 2005:82). Wahrscheinlich hat er im Laufe des Jahre 1674 erkannt, dass es Hoffnung auf bessere Zeiten für die Kirche gibt (Krauter-Dierolf 2013:56). „In der Gewissheit der von Gott verheißenen besseren Zukunft der Kirche“, war Spener der Ansicht, „dass nun auch menschlicherseits alles zu tun sei, was der Besserung der Kirche förderlich ist. Laut Peter Zimmerling (2010:72) hat Spener durch diese mit Röm. 11,25ff, Offb. 18 und Lk. 18,8 begründete Zukunftshoffnung das Luthertum von „einer lähmenden Naherwartung, von einer regelrechten Fixierung auf den Jüngsten Tag befreit.“ Vor dem Jüngsten Tag, so Spener, sei noch ein in der Bibel verheißenes herrliches Reich Christi auf Erden zu erwarten (Wallmann 2005:86). Indem Spener in Erwartung der großen Dinge, die Gott noch tun würde, den Blick in die Zukunft eröffnete, schuf er einen Freiraum für das verantwortliche Handeln des Einzelnen (Zimmerling 2010:72). Spener begeisterte viel für die Sache des Reiches Gottes. Durch die wieder offene Zukunft konnten reale Verbesserungen in Kirchen und Gesellschaft angepackt werden (:72). So unterstütze er tatkräftig die Gründung von Armen-, Waisen- und Arbeiterhäusern.  Zwischen der erwarteten Zukunft und dem Handeln in der Gegenwart bestand bei Spener ein deutlicher Zusammenhang (Krauter-Dierolf:56).

Stell dir vor, du wünschst dir, so wie Gott, eine Zukunft für diese Welt in der es keinen Tod mehr geben wird und auch keine Traurigkeit, keine Klage, keinen Schmerz (Offenb. 20,4). Stell dir vor, du setzt dich schon jetzt für eine solche Welt ein.

„Die Welt braucht Menschen, die so sehr an eine andere Welt glauben, dass sie nicht anders können, als sie schon jetzt zu leben.“ (Shane Claiborne).

[1] Online im Internet: http://www.welt.de/welt_print/vermischtes/article4477275/Ihr-Plan-Die-Welt-verbessern.html [02.02.2014]

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