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PRACTICE WHAT YOU PRAY

PRACTICE WHAT YOU PRAY

Vor einigen Wochen bekam ich von meiner Frau einen Ring geschenkt. Nein, keinen zweiten Ehering, weil ich den ersten verloren habe oder weil es um unsere Ehe so schlecht bestellt ist. Auf dem Ring ist  das Vaterunser eingraviert. Es ist wohl das bekannteste Gebet der gesamten Christenheit. Vielleicht sogar das bekannteste Gebet der gesamten Menschheit. Das Vaterunser wird in allen Konfessionen, egal ob katholisch, evangelisch oder orthodox gesprochen.Und so verbindet es rund 2,3 Milliarden Christen auf der ganzen Welt.

Das Vaterunser ist die kompakteste Zusammenfassung der Lehre Jesu. Die Jünger Jesu wussten vor rund 2000 Jahren, als Jesus dieses Gebet formuliert hat, sehr genau, worum es in den Fürbitten ging. Aus ihnen sprachen die Sorgen und Ängste, aber auch die Hoffnungen des Reiches Gottes.

„Unser tägliches Brot“ ist die Mitte des Vaterunsers: der Übergang von den DU-Bitten zu den WIR – Bitten. Mit der Brotbitte fängt eine neue Fürbittenreihe an. Vorher ging es um die Anliegen Gottes: Geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille Geschehe. Danach geht es um menschliche, um unsere Anliegen. In der Mitte, zwischen Himmel und Erde: tägliches Brot.

Bei der Brotbitte geht es auch um Brot als Grundnahrungsmittel. Aber Brot ist vielmehr ein Symbol für alles, was wir zu einem gelingenden Leben brauchen. Für Martin Luther gehörte zum „täglichen Brot“ alles, was „nottut für Leib und Leben, also Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

Essen, Trinken und Kleider? Fromme und getreue Regierung? Was tut uns heute Not, hier in Deutschland? Vielleicht das bei jedem etwas anders aus: Bitte um eine Wohnung, Bitte um einen Studienplatz, Bitte um eine gelingende Beziehung.

Wer einmal einen Slum irgendwo auf der Welt besucht hat, der bekommt allerdings einen anderen Blick auf das „tägliche Brot“. Wenn Menschen dort um das tägliche Brot beten, denken sie wahrscheinlich an sauberes Trinkwasser, eine Hand voll Reis oder Holz zum Kochen. Wer keine Chancen auf Bildung hat, der drängt auf eine Schulbank. Wer unter einer korrupten Regierung leidet, der träumt von einer guten Regierung. Wer die Viehzucht oder den Ackerbau als Überlebensgrundlage für seine Familie braucht, der sehnt sich nach Regen für die Weiden und Äcker.

Laut UNICEF sind im Frühjahr 2017 – mal wieder – fast 1,4 Millionen Kinder in afrikanischen Ländern wie: Nigeria, Somalia, Südsudan und Jemen vom Tod durch Mangelernährung bedroht. Die Gründe für Hungersnöte in Afrika sind unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels, Umweltzerstörung, Krieg und bewaffneter Konflikt, stark wachsende Bevölkerungen und Staatsverschuldung, extreme Armut, sowie Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria.

Laut einer Studie der Bundesregierung aus dem Jahr 2012 wirft jeder Bundesbürger pro Jahr knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Das sind rund 20 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr. Weltweit werden der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) zufolge jährlich 1,6 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel verschwendet, das entspricht einem Drittel aller Lebensmittel.

Wenn jemand bittet, Gottes Wille möge geschehen – bedeutet das ein passives Abwarten? Oder ist das eine Art „inschallah“? Oder eine aktive Verantwortung?

Das Vaterunser ist ein Gebet der Verpflichtung. Es ist ein Gebet eines auch politischen Engagements in der Welt. Es ist kein selbstbezogenes Gebet. Bete ich das Vaterunser, bitte ich um das Brot für alle, in der Nähe und in der Ferne. Nur unser Brot ist auch Gottes Brot. Das Gebet des Vaterunsers macht mich verantwortlich für den Zustand in der Welt. In der von Abbé Pierre gegründeten Emmaus-Gemeinschaft betet man folgendes Tischgebet: „O Herr, hilf uns, Brot zu finden für die, die Hunger haben, und Hunger zu finden für die, die Brot haben.“ Brot zu finden für die, die Hunger haben – das Lebenswichtige, in materieller und spiritueller Hinsicht.

Die Bitte, dass wir unser tägliches Brot bekommen, verpflichtet uns, die wir genug haben, auch nach denen zu schauen, die um das tägliche Brot, um das tägliche Minimum an Ernährung kämpfen müssen.

Ich habe den konkreten Verdacht, dass wir gerade in diesen Tagen der drohenden Hungerkatastrophe in einigen afrikanischen Ländern Verantwortung übernehmen könnten:

https://www.misereor.de/spenden/spendenaufrufe/hunger-im-suedsudan/

https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/spenden/spenden/

https://www.welthungerhilfe.de/spenden/formular/hunger-afrika/

https://www.worldvision.de/hungersnot-afrika

Der Song „Practice what you preach“, der Trash-Metaller Testament, ist meine persönliche Mahnung, meine Worte auch in die Tat umzusetzen. In diesem Sinne: Practice what you pray!

 Verwendete Literatur:

Käßmann, Margot – Das große Du

Boff, Leonardo – Das Vaterunser

Mendonca, José Tolentino – Vater unser auf Erden

Wright, N.T. – Gebete des NT für heute

http://de.wfp.org

https://www.unicef.de

 

 

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