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Sänger Patrice kritisiert Video als „Charity Porn“

Menschenverachtend nennt er es: Der Reggae-Sänger Patrice hat scharfe Kritik am Video zur deutschen Band Aid 30 Songversion geübt. Die Darstellung von Afrika und den von Ebola betroffenen Menschen verstoße gegen die Menschenrechte, er nennt es „Charity Porn“.

Englische Originalversion:

Eine fast nackte schwarze Frau liegt in einem düsteren, dreckigen Raum. Sie liegt auf einer schmutzigen Matratze in ihren eigenen Exkrementen. Zwei weiße Männer in Schutzanzügen tragen sie an Händen und Füßen aus dem Haus. Sie soll offenbar mit dem Ebola-Virus infiziert sein. Im Hintergrund lautes Atmen durch Schutzmasken und ein herzklopfartiges Pochen.

Das ist die Anfangssequenz für die aktuelle Neuaufmachung des Songs  „Do They Know It’s Christmas?“. Seit 30 Jahren wollen westliche Musiker damit Geld für Krisen in Afrika sammeln, berühmte Stars wie Bono und Chris Martin machen mit. Dieses Jahr gab es auch eine deutsche Version und die hat hierzulande eine Diskussion über „Charity Porn“ losgetreten: Hilft das, was wir dort sehen wirklich oder schadet es eher?

Die Frage hat einer der beteiligten Musiker selbst in den Raum gestellt: Der Reggae-Sänger Patrice distanzierte sich im Nachhinein von dem Video.

In einem Interview mit Funkhaus Europa kritisiert Patrice die Aktion und vor allem das vermittelte Bild von Afrika. Er hat selbst Verwandtschaft in Sierra Leone und ärgert sich besonders über die Darstellung der Frau. Die Sequenz sei gezielt auf Schockwirkung angelegt und verletze die Menschenwürde der gezeigten Frau. „Diese Frau hat vielleicht Kinder, ihre Eltern und Verwandten werden sich bestimmt nicht besonders gut dabei fühlen, wenn ihre Angehörige so abgebildet wird“, sagt Patrice.

Er prangert außerdem die Stigmatisierung von Afrika als Problemkontinent an. Patrice stört zum Beispiel das Logo von Band Aid 30: Dabei prangt der Schriftzug Ebola über den Kontinent Afrika, obwohl nur wenige der 54 Länder akut betroffen sind. Er bezeichnet das als Propaganda.

Auch andere Medien greifen das Thema auf. Die Zeit zum Beispiel fragt, ob diese Art von „Heilt die Welt“- Songs heute noch nötig sind oder ob sie nicht eigentlich der Selbstdarstellung der Musiker dienen. Jan Böhmermann haut in die gleiche Kerbe unter dem Hashtag #dotheyknowitsscheisse:

Beim Anschauen der englischen Version von Band Aid kann einem nur schlecht werden. Ich finde es wichtig, dass deutsche Medien den Finger in die Wunden legen. Jan Böhmermann fasst es sehr gut zusammen, wenn er sagt: Du kämpfst für die Würde der Menschen in West-Afrika, zur Not auch auf Kosten der Würde der Menschen in West-Afrika.

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